Yousif A.

22 Jahre, aus dem Irak

Menschen zwischen den Welten

      Mit meiner Familie habe ich in Bagdad gelebt, wo wir ein sehr schönes Leben hatten. Mein Vater hatte eine Arbeitsstelle in einer leitenden Position, womit er uns ein schönes, großes Haus finanzieren konnte und mit 16 Jahren bekam ich mein eigenes Auto. Ich hatte viele Freunde, mit denen ich mich nach der Schule getroffen und etwas unternommen habe. Ich habe das Gymnasium besucht und mir hat nur noch ein Jahr für meinen Abschluss gefehlt. Leider konnte ich die Schule nicht fertig machen. Mein Vater wurde bedroht, von Politikern erpresst und als er eines Tages plötzlich verschwunden ist, hat meine Mutter mit meiner Schwester und mir den Irak verlassen.


Zwar war unser Ziel nicht Österreich und ich wusste damals nichts von diesem Land, doch jetzt bin ich sehr froh, dass wir mit dem Flugzeug hier gelandet sind. Österreich ist ein sehr schönes Land.


Zuerst waren wir in Traiskirchen und sind danach nach Gallneukirchen gekommen. Der Anfang war sehr schwierig für mich. Ich konnte nur ein paar Wörter Englisch und kein Wort Deutsch. Ich habe meine Freunde vermisst und war traurig. Doch ich hatte keine Angst mehr und ich wusste, wir sind hier in Sicherheit. Nach und nach habe ich die Sprache gelernt, auch mit Hilfe von Menschen aus Gallneukirchen. 


Ich war ein Jahr lang an einer HTL, wo alle Lehrer und Mitschüler sehr nett waren und mir beim Lernen geholfen haben. Doch der Unterricht war zu schwierig für mich und ich habe vieles aufgrund meiner noch zu geringen Deutschkenntnisse nicht verstanden.


Als wir dann unseren Bescheid bekommen haben – subsidiären Schutz, habe ich in einem Handy Shop zu arbeiten begonnen. Ich habe schon immer gerne Handys repariert, auch in den Flüchtlingsquartieren sind Leute zu mir gekommen, wenn sie ein Problem mit einem Handy hatten. Mir hat die Arbeit von Anfang an Spaß gemacht, aber ich wollte unbedingt eine Ausbildung machen. 


Ich habe die Firma gewechselt und die Lehre zum Einzelhandelskaufmann mit Schwerpunkt Elektronik begonnen. Ich werde heuer mit der Lehre fertig. Mein Chef ist sehr zufrieden mit mir und will mich auch nach der Lehre in seinem Geschäft als Mitarbeiter haben. Ich will mich unbedingt noch weiterbilden, beim WIFI Kurse besuchen und mein sehr freundlicher Chef wird mich dabei auch finanziell unterstützen. Ich habe mittlerweile sehr viele Stammkunden, die unbedingt nur von mir betreut werden wollen. Diese nehmen sogar längere Wartezeiten in Kauf, wenn ich vor ihnen noch andere Kunden betreuen muss. Die Arbeit macht mir große Freude und ich will immer arbeiten. Ich will kein Geld vom Staat nehmen.


Wenn ich an meine Heimat denke, dann macht mich das traurig. Ich hatte viele Freunde dort, Bagdad war wunderschön. Jetzt ist vieles zerstört, man kann sich nicht sicher fühlen und die Religionen werden gegeneinander aufgehetzt. Wir glaubten, dass nach dem Sturz von Saddam Hussein das Leben im Irak besser werden würde, doch man kann sich nicht mehr sicher fühlen dort.

 

Oktober 2019

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