25.06.2015, 09:00
21. Diakonie-Dialoge
Linz, voestalpine Stahlwelt

"Ene, mene, mu - dement bist Du!"

Leben mit Demenz gemeinsam gestalten

Ene, mene, mu - scheinbar zählt das Schicksal aus, wer von uns allen einmal direkt von Demenz betroffen ist - und bis ins Jahr 2020 werden das 130.000 Menschen in Österreich sein. Wir treten für eine inklusive Gesellschaft ein.

Was bedeutet das mit Blick auf Menschen mit Demenz? Bedeutet Demenz an den gesellschaftlichen Rand gedrängt zu werden, und wenn ja, wie kann Inklusion gelingen?

 

Wie das Leben mit Demenz gemeinsam gestaltet werden kann, zeigen die unterschiedlichen Referate dieser Fachtagung.

ReferentenInnen

Inklusion von Menschen mit Demenz – Vision oder Illusion? Die gesellschaftliche Herausforderung der Demenz aus sozialethischer Perspektive
Prof. Dr. Ulrich Körtner

Inklusion von Menschen mit Demenz – Vision oder Illusion? Die gesellschaftliche Herausforderung der Demenz aus sozialethischer Perspektive

Das Wort Inklusion ist in aller Munde. Entscheidende Anstöße gehen von der UN-Behindertenrechtskonvention aus. Doch wie kann Inklusion von Menschen, die von Demenz betroffen sind, gelingen? Auf der einen Seite gibt es Projekte für demenzgerechte Gemeinden, auf der anderen Seite Projekte wie das Demenzdorf Hogewey in den Niederlanden, die für die betroffenen Menschen eine Sonderwelt schaffen. Ist Inklusion am Ende doch nur eine Illusion? In Anbetracht der domgraphischen Entwicklung muß das Thema als gesamtgesellschaftliche Herausforderung begriffen werden, die neben gesundheitspolitische und sozialpolitischen Strategien auch einer ethischen Reflexion bedarf.

 

Zur Person:

O. Univ.-Prof. Dr. DDr. h.c. Ulrich H.J. Körtner, geb. 1957. Nach dem Studium der evangelischen Theologie Wiss. Mitarbeiter an der Kirchlichen Hochschule Bethel und Vikariat in Bielefeld. 1982 Promotion und 1987 Habilitation an der Kirchlichen Hochschule Bethel/Bielefeld. Von 1986 bis 1990 Gemeindepfarrer in Bielefeld, 1990-1992 Studienleiter an der evangelischen Akademie Iserlohn. Seit 1992 Ordinarius für Systematische Theologie (reformierte Theologie) an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, außerdem seit 2001 Vorstand des Instituts für Ethik und Recht in der Medizin der Universität Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen zu medizin- und pflegeethischen Themen, u.a.: Grundkurs Pflegeethik, 2. Aufl. Wien 2012.
Segregation und Integration: kein Widerspruch
Dipl.-Theol., BPhil. Christian Müller-Hergl

Segregation und Integration: kein Widerspruch

Segregation erwächst in der Regel aus Situationen, in denen im Rahmen des vorhandenen Kontextes und der Mittel Integration bzw. Inklusion nicht zu leisten ist. Jede Gemeinschaft hat Toleranzgrenzen und ein Recht darauf, dass diese Grenzen auch toleriert werden. Menschen mit leichter Demenz können in der Regel gut integriert werden und Mitbewohner durch geeignete psychoedukative Maßnahmen zu mehr Toleranz bewegt werden. Menschen mit Demenz und schweren Verhaltensauffälligkeiten profitieren von einer inklusiven Umgebung nicht, da die Heterogenität der dort gegebenen Vielfalt pflegerischer Aufträge ein gezieltes Aufspüren von und Eingehen auf unerfüllte Bedürfnisse eher verhindert. Segregation macht unter diesen Umständen Inklusion eher erst möglich: Angehörige und andere wichtige Personen können in einer segregativen Umgebung sehr viel eher einen entspannten und regelmäßigen Kontakt aufbauen als das in einer inklusive Umgebung möglich ist. - Es sollte verhindert werden, Inklusion bzw. genauer: Integration ideologisch falsch zu verstehen und die angeblich integrativen Bereiche - in denen de facto für Integration kaum etwas getan wird - zu euphemisieren.

 

Zur Person:

Studium der kath. Theologie (Bochum) und Philosophie (Oxford), Ausbildung zum Altenpfleger, diverse Zusatzqualifikationen zum Supervisor, Organisationsberater und DCM-Trainer. Zur Zeit tätig am Dialog- und Transferzentrum Demenz an der Universität Witten/Herdecke, Institut für Pflegewissenschaft. Freiberuflich tätig in diversen gerontopsychiatrischen Lehrgängen in Deutschland, Schweiz und Österreich
Gemeinsam leben & spezifisch begleiten – die Quadratur des Kreises im Lebensweltkonzept
Karla Kämmer, Dipl.-Sozialwissenschaftlerin

Gemeinsam leben & spezifisch begleiten – die Quadratur des Kreises im Lebensweltkonzept

Jeder ältere Mensch soll eine Lebenswelt vorfinden, die ihm ein hohes Maß an Vertrautheit und gewohnten Lebensvollzügen ermöglicht. Dieses Anliegen wird unter dem Konzept‚ Lebensweltgestaltung’ zusammengefasst und stellt eine Möglichkeit der Integration von Inklusion und Differenzierung dar. Auf ganz praktische Weise erfahren Sie, wie die Quadratur des Kreises gelingt und Sie eine Tagesgestaltung entwickeln und umsetzen, die einerseits den Bedürfnissen und Anforderungen der älteren Menschen entspricht, andererseits aber auch praktikabel ist.

 

Zur Person:

Diplom-Sozialwissenschaftlerin (Soziologie, Verwaltungs- und Politikwissenschaften), Diplom-Organisationsberaterin, Lösungsorientierter Coach und Solution Fokused Therapie (SFT), Erwachsenenbildnerin, Lehrerin für Pflegeberufe, Gesundheits- und Krankenpflegerin, Altenpflegerin, Fachbuchautorin Seit 1973 im Gesundheits-, Sozial- und Pflegewesen tätig. Praktische Erfahrungen in der Intensivpflege, der Begleitung von Menschen mit chronischen Erkrankungen sowie der Altenhilfe und Gerontopsychiatrie. Praktische Tätigkeit in Projekten in Israel, den Niederlanden, Belgien, Österreich und Ungarn. Leitung von Bildungs- und Wohneinrichtungen für Senioren und für Menschen mit Behinderung. Kuratorin der Demenz Support Stuttgart. Qualitätsprozesse für das Gesundheitsministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens
Zusammenleben in Balance –wie kann es zuhause gelingen?
Mag.a Sabine Oswald

Zusammenleben in Balance –wie kann es zuhause gelingen?

Angehörige von Menschen mit Demenz sind hoch gefordert und oft an ihren Grenzen. Um die anfallenden Betreuungsaufgaben zu Hause erfüllen zu können, bedarf es eines achtsamen und sorgsamen Umgangs mit sich selbst. Was gilt es alles zu beachten?

 

Zur Person:

Mag.(FH), 1959, Psychotherapeutin (Geronto- und systemische Familien - Psychotherapie). Seit 23 Jahren Psychotherapeutin in eigener Praxis und in Alters- und Pflegeheimen, im extramuralen Bereich und im Krankenhaus – für PatiententInnen/BewohnerInnen/Angehörige, ebenso in der Fort- und Ausbildung des Personals tätig. Leiterin von Angehörigengruppen, Schulungen für pflegende Angehörige und individuelle Angehörigenberatung. Seit 25 Jahren Trainerin in der Erwachsenenbildung.

Mehr Informationen

kaemmer_gemeinsam_leben_spezifisch_begleiten.pdf
2.31 MB
koertner_inklusion_von_menschen_mit_demenz.pdf
107.24 KB
mueller-hergl_segregation_und_integration.pdf
355.43 KB
oswald_zusammenleben_in_balance.pdf
379.29 KB

Vorträge zum Nachhören

Prof. Dr. Ulrich Körtner

Inklusion von Menschen mit Demenz – Vision oder Illusion? Die gesellschaftliche Herausforderung der Demenz aus sozialethischer Perspektive

Dipl.-Theol., BPhil. Christian Müller-Hergl

Segregation und Integration: kein Widerspruch

Karla Kämmer, Dipl.-Sozialwissenschaftlerin

 Gemeinsam leben & spezifisch begleiten – die Quadratur des Kreises im Lebensweltkonzept