"Unsere Kunst ist autonom und gefährlich"

Die Ausstellung "Die Schöpfung. Vornehm unbequem" im Aktionsraum LINkZ stellt die Arbeit von Menschen mit Behinderungen in den Mittelpunkt.

Christian Öllinger überwindet in seiner Kunst Grenzen.

Christian Öllinger steht vor einer gewaltigen Leinwand, kleistert rote Farbe auf ein raumhohes Fries. Es ist ein sehr ausdrucksstarkes Werk, das hier entstanden ist. Ein Frauenkörper – etwas, das Christian für gewöhnlich, an seinem täglichen Arbeitsplatz, dem Atelier in Gallneukirchen (OÖ), nicht malen würde. Science-Fiktion Helden, exakt ausgeführte vielfärbige Fahrräder, die jede Speiche, jedes Ventil genau wiedergeben: Das zeichnet Christians Kunst normalerweise aus, so großflächig hat Christian noch nie gearbeitet. Und auch das Material, die dicke Farbe und das Rot sind für den 24-Jährigen ungewöhnlich. Hier im „Aktionsraum LINkZ“ ist alles erlaubt. Hier werden Grenzen überschritten – persönliche und äußere. Das hat TOMAK zu Beginn klargestellt. Schöpfung. Vornehm unbequem“ möchte TOMAK Künstler*innen die Kunstwerkstatt beim Entstehen von Gemeinschaftsarbeiten anleiten und ihnen vor allem künstlerisch zu mehr Lautstärke verhelfen.
„Unsere Kunst ist autonom und gefährlich“ betont TOMAK und weist darauf hin, dass Abweichungen der Norm in unserer Gesellschaft oft sanktioniert werden. 

 

Farbe Rot als treibende Kraft
Gearbeitet wird an einem Gesamtkunstwerk, für das alle Wände des Ausstellungsraumes weiß ausgekleidet wurden. Je nach Arbeitsweise der Künstler*innen wird direkt auf die Leinwand gemalt oder es werden Arbeiten am Papier als Einzelstudien in die Gesamtheit des Bildraumes montiert. Die von TOMAK vorgegebene Kraft der Farbe Rot lässt Gedanken entstehen zu Themen wie Liebe, Feuer und Blut. Als treibende Kraft hat TOMAK in Siebdrucken wiederkehrende Sujets wie Herz-, Rückgrat und Darmwindungen in den Fries eingebracht.
Aus geordneten Bahnen ausbrechen, gewohnte Pfade verlassen, das war der Anspruch der künstlerischen Aktionswochen, die hier stattgefunden haben.


Künstlerischer Arbeitsplatz
TOMAK ist ein international tätiger Wiener Künstler, der sich gemeinsam mit einigen Künstler*innen des Ateliers der Kunstwerkstatt über mehrere Wochen hinweg im Aktionsraum in Linz dazu entschlossen hat, an einer gemeinsamen Ausstellung zu arbeiten. Das Atelier der Kunstwerkstatt bietet Menschen mit Behinderungen einen kontinuierlichen künstlerischen Arbeitsplatz, an dem die Künstler*innen sowohl intern in der Methode, als auch nach außen in der Kunstvermittlung, Ausstellungs-, Projekt und Imagearbeit professionell begleitet werden. Bei verschiedenen Projekten und Workshops findet ein spannender Austausch auf Augenhöhe, mit national und international tätigen Künstlern, statt. So auch bei diesem Projekt.
Unter dem Ausstellungstitel „Die Schöpfung. Vornehm unbequem“ möchte TOMAK Künstler*innen die Kunstwerkstatt beim Entstehen von Gemeinschaftsarbeiten anleiten und ihnen vor allem künstlerisch zu mehr Lautstärke verhelfen. „Unsere Kunst ist autonom und gefährlich“ betont TOMAK und weist darauf hin, dass Abweichungen der Norm in unserer Gesellschaft oft sanktioniert werden.


Farbe Rot als treibende Kraft
Gearbeitet wird an einem Gesamtkunstwerk, für das alle Wände des Ausstellungsraumes weiß ausgekleidet wurden. Je nach Arbeitsweise der Künstler*innen wird direkt auf die Leinwand gemalt oder es werden Arbeiten am Papier als Einzelstudien in die Gesamtheit des Bildraumes montiert. Die von TOMAK vorgegebene Kraft der Farbe Rot lässt Gedanken entstehen zu Themen wie Liebe, Feuer und Blut. Als treibende Kraft hat TOMAK in Siebdrucken wiederkehrende Sujets wie Herz-, Rückgrat und Darmwindungen in den Fries eingebracht.


Schnell machen sich die Künstler*innen diese Vorgaben zu eigen, legen ihre eigenen Interpretationen darüber, spielen mit den Formen, nähern sich ohne viel Abstand und Scheu seinem Werk und interpretieren es dadurch neu. Manche nehmen ihren bisherigen Stil auf, setzen ihn ähnlich wie gewohnt um. Andere erkennen die Gelegenheit und sind bereit, ihre Kunst neu zu denken und auch neu zu entdecken. Christian hält die Spachtel in der Hand, schaut auf sein Werk – der Frauenkörper ist wie immer detailgenau gemalt. Der Linzer mag es, wenn Formen exakt verlaufen, wenn Kunst akkurat, in gewisser Art und Weise berechenbar ist. Heute aber lösen sich Grenzen auf. Christian scheint es zu genießen. Ein Stück Absurdität steckt in der Abbildung einer Frau. Anstatt einer Hand malt ihr Christian eine Scherenhand.
Christian ist Comic-Fan. In „Futurama“, einer amerikanischen Science-Fiction Zeichentrick-Serie, ist einer der Charaktere ein menschengroßer, krabbenartiger Außerirdischer. Alles ist möglich. Das wird Christian an diesem Tag klar. Er schaut auf sein Werk – später wird er es „Die Rote Lisa“ nennen – nickt und sagt ganz leise: „Es war wirklich super“.


Präsentiert werden die Arbeiten ab 26. September 2020 im Aktionsraum LINkZ in Linz-Urfahr.
 

Autorin: Karin Windpessl

0

Teaser in neuem Tab

Nein