Omar S.

52 Jahre, Palästinenser aus Syrien

Menschen zwischen den Welten

Als staatenloser Palästinenser in Kuwait geboren, habe ich meine Schullaufbahn mit einem Informatikstudium abgeschlossen. Mein Aufenthalt war stets von Abschiebung bedroht und nach der militärischen Besetzung Kuwaits durch Saddam Hussein musste ich nach Syrien fliehen. In Syrien lebte ich mit meiner Familie ein sehr gutes Leben und hatte viele Freunde, die ich regelmäßig getroffen habe. Ich habe in unterschiedlichen Branchen gearbeitet, als Restaurantinhaber oder in einem Fotogeschäft. Bis kurz vor meiner Flucht arbeitete ich für eine Import/Export Firma, wo ich ein Team von 25 Mitarbeitern geführt habe.

 

Homs, die Stadt in der ich mit meiner Familie lebte, war ein unsicherer Platz geworden. Die vielen Kämpfe, die Ermordung zwei meiner Brüder, die Zerstörung unserer Wohnung und die somit unsichere und bedrohliche Situation für meine Kinder veranlassten mich zu der Entscheidung: Jetzt fliehen wir. Im Herbst 2014 bin ich mit meiner Familie aus Syrien geflohen, meine zweite Flucht.

 

Viele Syrer flohen nach Deutschland, doch ich wollte mit meiner Familie nach Österreich, einem kleinen sicheren Land mit wenig syrischen Flüchtlingen. In Österreich angekommen, war ich überglücklich, dass wir gesund und in Sicherheit waren.

 

Nach Erhalt des positiven Asylbescheids begann der Stress für mich: Deutsch lernen und Arbeit suchen. Zu Beginn bei einer Reifenfirma tätig, habe ich mit Hilfe von ehrenamtlichen Helfern eine Arbeit im Bauhaus gefunden. Derzeit arbeite ich als Hilfsarbeiter bei einer Baufirma. Ich möchte in Zukunft aber einen besseren Job, wo ich meine Fähigkeiten und sehr guten Englisch Kenntnisse einsetzen kann. Denn grundsätzlich gibt es keine Unterschiede zu meiner Arbeit in Kuwait oder Syrien. Man muss seine Arbeit gut machen, kann jederzeit gekündigt werden.

 

Man ist auch hier oft von der Laune des Chefs abhängig und braucht einen Freund, der einen manchmal unterstützt. Meine kommunikative Persönlichkeit hilft mir in der Arbeit, wo ich mich mit meinen Arbeitskollegen gut verstehe und auch im privaten Bereich, wo ich mich mit oft mit Freunden treffe.

 

Für mich war wichtig, dass meine Kinder eine gute Ausbildung erhalten, wir gut deutsch sprechen lernen, was in meinem Alter (50) nicht mehr so einfach ist, und ich wieder arbeiten kann. Das haben wir geschafft. Ich bin stolz darauf, dass ich nur acht Monate nach Erhalt des positiven Asylbescheids eine Arbeit hatte. Meine Tochter steht nun kurz vor dem Lehrabschluss zur Apothekerin und mein Sohn macht die Ausbildung zum Altenfachbetreuer.

 

Am besten in Österreich gefallen mir die Menschen, die die Gesetze respektieren und die Österreicher, die mir sehr geholfen haben, vor allem die ehrenamtlichen Helfer in Gallneukirchen vom Verein GiG (Gemeinsam in Gallneukirchen). Ich treffe viele Österreicher.

 

Ich habe hier keine Probleme, habe alles geschafft, was ich wollte. Jedoch macht es mich traurig, wenn ich die Asylsuchenden und deren Situation jetzt betrachte. Die Gesetze haben sich verschlechtert, sie werden sehr benachteiligt. Die Wohnungssuche wird durch sehr schlechte und teure Wohnungen erschwert und das Geld für Kaution oder/und Ablöse ist für viele kaum aufzubringen.

 

Nach meiner alten Heimat gefragt, fehlen mir die Worte. Als Palästinenser bin ich staatenlos. Ich habe keine Staatsbürgerschaft, keine Heimat. Ich bin als Flüchtling geboren und ich fühle mich nicht gut, wenn ich daran denke. Wie es in Syrien weitergehen wird, weiß man nicht. Klar ist, dass es dort keine Sicherheit und somit auch keine Zukunft gibt.

 

Oktober 2019

Teaser in neuem Tab

Nein