Milan S.

21 Jahre, Palästinenser aus Syrien

Menschen zwischen den Welten

Als staatenlose Palästinenserin bin ich in Syrien geboren und aufgewachsen, bis ich mit meiner Familie, meinen Eltern und Geschwistern 2015 nach Österreich geflüchtet bin. In Syrien habe ich ein Gymnasium besucht, das ich jedoch aufgrund des Krieges und der Flucht nicht beenden konnte. 


Nachdem ich in Österreich gemeinsam mit ehrenamtlich Engagierten aus Gallneukirchen Deutsch gelernt habe, habe ich in einem Gymnasium in Linz die Matura gemacht und dann die Ausbildung zur Pharmazeutisch Kaufmännischen Assistentin im Sommer 2019 abgeschlossen. Nun arbeite ich in einer Apotheke in Linz, was mir zum einen Spaß macht und zum anderen manchmal auch ziemlich stressig ist.


Arbeiten in Österreich ist anders als in Syrien. Hier muss ich mich mehr anstrengen, da ich beinahe täglich neue Wörter lernen muss und auch viele Stunden arbeite. In der Apotheke habe ich viele unterschiedliche Aufgaben zu erledigen und manchmal verwenden meine Kolleginnen unterschiedliche Wörter für ein und dasselbe. Für Österreicher normal, doch für mich schwierig, da es ja eine neue Sprache ist.


In meiner Freizeit bin ich mit Freunden unterwegs, wir gehen spazieren oder reden einfach nur miteinander. Ich habe fast nur Kontakte zu ÖsterreicherInnen. Ich habe kaum Kontakte zu arabischen Leuten. Manchmal telefoniere ich mit meinen alten Freundinnen aus Syrien. Das machen wird dann über das Internet. Wenn Zeit bleibt, dann lese ich noch Bücher, meistens amerikanische oder europäische Literatur, jedoch in arabischer Übersetzung, damit ich auch alles richtig verstehe. Den Rest meiner Freizeit bin ich mit Lernen für die Arbeit oder auch mit Aufgaben zuhause (Haushalt) beschäftigt. 


Wenn ich nach meiner Zukunft gefragt werde, dann habe ich keine besonderen Wünsche. Ich mache gerade den Führerschein, damit ich mir die schönen Gegenden in Österreich anschauen kann. Mein Plan ist noch, dass ich Pharmazie studiere, da mir diese Arbeit sehr gut gefällt. Ansonsten möchte ich einfach ganz normal leben, so wie alle anderen auch.


An Österreich gefällt mir die Natur, das schöne Land mit unterschiedlichen Kulturen. Dieses Multi-Kulti Leben gab es in Syrien nicht, umso mehr gefällt es mir hier, da ich so auch verschiedene Länder bzw. deren Kulturen kennenlerne. Ich hatte auch MitschülerInnen in der Schule aus verschiedenen Ländern. Ich habe mit niemandem Probleme gehabt, viele Leute haben mir geholfen, Lehrer waren fair und freundlich zu mir. Probleme, wie andere oft erzählen, kenne ich nicht. Jedoch spreche ich auch nicht mit Österreichern über Religion, da dies meistens zu Konflikten führt.


Wenn ich an Syrien denke, dann vermisse ich das Leben abends auf der Straße. Leute haben sich getroffen, miteinander gesprochen und Spaß miteinander gehabt. Die Geschäfte hatten bis Mitternacht offen, und deshalb war abends auch immer viel los.


Heimat als solches kenne ich nicht und danach gefragt, weiß ich auch keine richtige Antwort darauf. Ich habe in Syrien gelebt, aber war keine Syrerin. Denn ich bin Palästinenserin, war aber nie in Palästina. Das Syrien, in dem ich gelebt habe, gibt es nicht mehr, und niemand weiß, wie es sich weiterentwickelt oder was noch passiert.
 

Oktober 2019

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