Khaled T.

34 Jahre, Palästinenser aus Syrien

Menschen zwischen den Welten

Als Palästinenser bin ich in Syrien geboren und habe mit meiner Familie in einem kleinen Dorf, in der Nähe von Damaskus, gelebt. Dort hatten wir ein sehr schönes, großes Haus. Ich bin 12 Jahre in die Schule gegangen und wollte nach der Matura studieren, doch das konnte ich in Syrien nicht.

 

Ich bin der älteste Sohn und musste arbeiten gehen, um meine Familie zu unterstützen. Mein Vater hat zwar auch gearbeitet, jedoch war es zu wenig Geld für die ganze Familie. Ich habe verschiedene Tätigkeiten gemacht, war Verkäufer, habe im Lager von Nestlé gearbeitet und war Taxifahrer, als ich mein eigenes Auto bekommen habe. Nach der Arbeit habe ich mich immer mit Freunden getroffen, wir haben geredet und hatten Spaß miteinander.


Als unser Haus bei einem Bombenangriff zerstört und mein Bruder dabei getötet wurde, haben wir uns entschlossen zu fliehen. Meine Geschwister und Eltern sind nach Schweden und ich bin nach Österreich geflohen. Ein Freund von mir war damals bereits in Österreich und er hat mir davon erzählt, dass Österreich ein sehr schönes Land ist und die Leute sehr nett sind. Das wichtigste für mich war, dass ich ohne Angst leben konnte. Österreich ist ein demokratisches Land, in dem Frieden herrscht.


In Österreich angekommen, habe ich mich sofort wohl gefühlt. Ich konnte ohne Angst auf die Straße gehen und viele Leute haben mich beim Deutsch lernen unterstützt. Nach dem Abschluss der Deutschprüfung A2 habe ich bei einer Reinigungsfirma zu arbeiten begonnen. Das hat mir nicht so gut gefallen und jetzt arbeite ich als Leasing-Arbeiter in einer Druckerei in Linz. Dort bin ich seit vier Monaten Lagerarbeiter. Irgendwann möchte ich eine andere Arbeit, doch jetzt ist es wichtig, dass ich Geld verdiene. Mein Führerschein aus Syrien gilt in Österreich nicht, darum mache ich ihn gerade neu und möchte dann ich wieder als Taxifahrer arbeiten.


Ich habe einige gute Kontakte zu Österreichern in Gallneukirchen. In Linz kenne ich kaum jemanden, auch wenn ich seit über einem Jahr dort wohne. In Gallneukirchen war es besser. Aber ich habe Arbeit, ich habe Freunde, ich bin zufrieden. Das ist das Wichtigste.


Wenn ich an Syrien denke, habe ich nur die Bilder vom Krieg in meinem Kopf. So viele Menschen, so viele Freunde sind gestorben. Es war schrecklich damals und ich denke, dass sich in Syrien, solange Assad an der Macht bleibt, nichts verändern wird. Ich weiß, dass ich nicht nach Syrien zurück kann, da ich dort nicht in Sicherheit leben kann. In Sicherheit leben kann ich hier in Österreich.
 

Oktober 2019

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