Im Gespräch mit Wolfgang Schwab

zum Tag der Pflege am 12. Mai.

Wolfgang Schwab ist seit 2014 Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger (DGKP) im Haus am Ruckerlberg. Mit seinem Studium der Pflegewissenschaft (BSc, MSc) konnte er den Grundstein für seinen beruflichen Werdegang legen. Im Interview mit Saskia Dyk, Kommunikationsspezialistin Diakoniewerk Steiermark, gibt er einen Einblick in seine Arbeit und sein berufliches Selbstverständnis.

Wolfang Schwab im Gespräch

Was war deine persönliche Motivation für den Pflegeberuf?

Wolfang Schwab: Ich bin über die klassische Laufbahn eingestiegen: Ich war 12 Monate Zivildiener in einem Pflegeheim, war dort Mädchen für alles, für Frühstück und leibliches Wohl zuständig. In dieser Zeit wurde mir klar, ich will in die Arbeit gehen und wieder heimkommen mit dem Gefühl, etwas Sinnvolles gemacht zu haben. Nach dem Motto: „Wenn schon arbeiten, dann was Gescheites“.

Welche Möglichkeiten bietet der Pflegeberuf jungen Leuten?

Wolfang Schwab: Ich würde trotz manchmal schwieriger Rahmenbedingungen jungen Menschen zum Pflegeberuf raten. Der Tag ist erfüllt mit Dingen, die unmittelbar etwas bringen, sinnvoll sind, Erfolgserlebnisse vermitteln. Wobei: Man muss schon für sich selbst erkennen, was ist Erfolg im Pflegeheim? Zum Beispiel ein gutes Gespräch oder ein Bewohner lacht über einen Witz.

Ein weiterer Vorteil: Ein Einstieg in die Pflege ist derzeit jederzeit möglich, und das sogar wohnortnah. In allen Bereichen werden Pflegekräfte gesucht. Man kann sich je nach Interesse eine Zielgruppe aussuchen: Menschen im Alter oder mit Behinderung, Kinder, Menschen mit psychischen Erkrankungen oder viele andere. Oder man kann im mobilen, ambulanten oder stationären Setting arbeiten.

Was erwartet Berufseinsteiger*innen?

Wolfang Schwab: Sie müssen sich im Klaren sein, dass der Beruf neben einer körperlichen Belastung die Auseinandersetzung mit Krankheit, Sterben und Tod mit sich bringt. Jede*r muss für sich selbst einen Mittelweg zwischen Empathie und Abgrenzung finden. Und dass es völlig normal ist, vor allem als junger Mensch anfangs zu sehr in die Empathie zu kippen. Ich kann aber sagen: Mit dem Alter nimmt auch die Erfahrung im Umgang mit belastenden Situationen zu.

Wie steht es um die Karrierechancen?

Wolfang Schwab: Vereinzelt geht es in die Führung oder in die Lehre. Oder man erwirbt eine fachliche Erweiterung wie Wundmanagement oder Hygiene – das sind Aufgaben, die man zusätzlich zur regulären Arbeit erfüllt, aber die sich monetär zumeist nicht niederschlagen.

Wenn du an die letzten Tage und Wochen denkst: Gab es einen „YES-Moment“?

Wolfang Schwab: Nach einem wirklich schwierigen Jahr bemerke ich, dass die Impfung die Angst vor Corona schön langsam verdrängt. Enkelkinder und andere Angehörige dürfen wieder auf Besuch kommen, das tut allen gut. Außerdem wird es draußen warm, die Bewohnerinnen und Bewohner können auch wieder hinausgehen, das Leben entspannt sich.

Wenn du an die letzten Tage und Wochen denkst: Was waren herausfordernde Situationen?

Wolfang Schwab: Durch Corona haben wir massiv viele zusätzlichen Aufgaben an Arbeitstagen, die ohnehin schon sehr voll sind – Testen, vermehrtes Dokumentieren. Durch Corona ist die Belastung stark gestiegen, wir müssen effizienter arbeiten. Persönlich finde ich die Schichtarbeit und das unregelmäßige Arbeiten belastend, zum Beispiel den Umstieg vom Nacht- auf den Tagdienst.

Wie gehst du mit der großen Verantwortung um, die der Pflegeberuf mit sich bringt?

Wolfang Schwab: Indem ich fachlich gut auf dem Laufenden bleibe, Bildung ist der Schlüssel. Und indem ich genau weiß, wofür bin ich verantwortlich und gedanklich Szenarien durchspiele – best case und worst case-Szenarien.

Und ein ganz wichtiger Aspekt: Teamarbeit ist das Um und Auf, wir können einander vertrauen und setzen auf geteilte Verantwortung.

Wenn du drei wesentliche Dinge an den Rahmenbedingungen der Pflege verändern willst, welche wären das?

Wolfang Schwab: Die Pflege genießt in der öffentlichen Diskussion einen hohen Stellenwert. Viele sind dankbar und sagen „ich könnte das nicht“. Das freut uns einerseits, aber ändert noch nichts. Ich wünsche mir erstens eine schlüssige und nachvollziehbare Berechnung des Personalbedarfs, abgeleitet vom konkreten Bedarf des oder der Klient*in. Zweitens eine monetäre Aufwertung aller Pflegeberufe, insbesondere der Hilfsdienste wie Heimhilfe oder Pflegeassistenz. Und drittens eine veränderte Ausbildungsstruktur, sodass sich ausreichend Menschen qualifizieren können. Und ich hoffe, dass wir nach der Pandemie die Menschen im Beruf halten können.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Einblicke.

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