Hassan A.

34 Jahre, Kurde aus Syrien

Menschen zwischen den Welten

Als Kurde bin ich in Damaskus geboren und nun 34 Jahre alt. Ich bin acht Jahre in die Schule gegangen und habe dann zehn Jahre lang als Schneider in einer Fabrik gearbeitet. Nebenbei hatte ich zwei Jahre lang eine eigene kleine Schneiderei. Mein Vater lebt noch immer in Damaskus, wo es ihm schlecht geht, er aber auch nicht weg oder zu mir kommen kann.

 

Kurden in Syrien haben keine Rechte, wir hatten keinen Reisepass, dennoch habe ich gerne in Syrien gelebt. Ich hatte viele Freunde, mit denen ich mich regelmäßig getroffen habe. Zusammen etwas unternehmen oder gemeinsam Computer spielen hat mir großen Spaß gemacht.

 

Als die Lage in Damaskus für uns gefährlicher wurde, sind wir in den Norden von Syrien gegangen. Dort hatten wir jedoch nichts, keine Arbeit, keine Wohnung und wir wurden von der IS, der Nusra und der Armee von Assad bedroht und sollten für sie kämpfen. Das wollten wir nicht und so sind wir weiter in die Türkei gegangen, wo es für uns Kurden genauso schwierig war. Mit dem Geld, das wir durch Gelegenheitsjobs bekommen haben, konnten wir nicht überleben und uns daher entschieden, weiter über Griechenland nach Europa zu fliehen. 


Eigentlich wollte ich nach Deutschland, wo ich einige Verwandte habe, aber wir wurden von der Polizei in Österreich aufgehalten und so bin ich hier gelandet. Im Nachhinein betrachtet bin ich sehr froh darüber. Meine Brüder und Schwestern leben in Deutschland und von ihnen höre ich immer wieder mal über Situationen, wo sie von faschistischen Menschen beschimpft, bedroht oder schlecht behandelt werden. In Österreich ist mir das, obwohl es hier auch Menschen gibt, die uns Flüchtlingen nicht gut gesinnt sind, noch nie passiert. In Österreich lebe ich in Sicherheit und baue mir mein Leben auf.


Österreich erlebe ich generell als ein sehr schönes Land. Meine Nachbarn und Bekannten sind sehr nett und freundlich zu mir. Hier ist Vieles klar geregelt und ich habe Rechte in der Arbeit, was ich ja bisweilen nie gehabt hatte. 


Nachdem ich meinen positiven Asylbescheid erhielt, habe ich mir sofort Arbeit gesucht. Mit Hilfe von guten Freunden habe ich als Koch zu arbeiten begonnen. Das Geschäft gehört einem Türken, der selbst kaum Deutsch spricht, obwohl er schon lange in Österreich lebt. Meine deutschen Sprachkenntnisse habe ich mir selber angelernt. Einen Deutschkurs neben der Arbeit zu machen, ist für mich nicht möglich. Aber ich lerne zuhause und immer, wenn ich Zeit habe. Mittlerweile verstehe ich alles und kann mich auch mit meinen österreichischen Freunden gut unterhalten.


Für meine Zukunft stelle ich mir vor, dass ich wieder ein eigenes Geschäft habe. Ich will den Gewerbeschein machen, ein eigenes Lokal eröffnen und die österreichische Staatsbürgerschaft bekommen. Ich bin gesund, habe zwei Hände und zwei Füße, kann und will arbeiten. Sozialhilfe ist für Menschen, die krank sind und Hilfe brauchen. Nicht für mich! Später möchte ich eine gute, schöne Wohnung, die nicht zu teuer ist. Es ist aber sehr schwierig solch eine zu finden, auch für Österreicher. Da haben alle das gleiche Problem.


An Syrien denke ich selten. Es sind so viele Menschen gestorben und es ist noch immer Krieg. Ich habe noch meinen Vater und ein paar Freunde dort, mit denen ich monatlich telefoniere. Die Situation in Syrien wird wohl noch schlechter werden und ein Ende des Krieges – auch Araber gegen Araber -  ist noch nicht in Sicht. Das Alles kann man nicht verstehen.
 

 

Oktober 2019
 

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