Gassan S.

48 Jahre, Palästinenser aus Syrien

Menschen zwischen den Welten

Als Palästinenser bin ich in Saudi-Arabien geboren, wo ich mit meinen Eltern bis zu meinem 16. Lebensjahr gelebt habe. Dann sind wir nach Syrien gezogen, wo ich mit meinen Geschwistern und Eltern in Damaskus gelebt habe. Wir hatten kein eigenes Haus, sondern lebten zur Miete.

 

Nach 9 Jahren Schulbildung habe ich begonnen in einer Metallfabrik zu arbeiten. Dort wurden Fenster und Türen aus Metall angefertigt. Später habe ich sechs Jahre als Autohändler gearbeitet und Autozubehör verkauft. Wir hatten ein gutes Leben in Damaskus, eine schöne, große Wohnung und ich hatte viele Freunde, die ich nach der Arbeit getroffen habe. Das Leben in Syrien war vor dem Krieg billig und wir konnten uns vieles leisten, es ist uns sehr gut gegangen. Ich habe mit meiner Frau und meinen drei Kindern in einer schönen Wohnung gelebt. 


Als der Krieg begann, wurde alles teurer und ich habe meine Arbeit verloren. Wir hatten kein Geld mehr zum Leben und so habe ich mich zur Flucht entschieden, um für meine Familie sorgen zu können. Ich habe drei Monate gebraucht, um von Syrien nach Österreich zu kommen. Den größten Teil des Weges habe ich zu Fuß zurückgelegt, wurde aber immer wieder von der Polizei aufgefunden und nach Griechenland, Serbien oder Mazedonien gebracht. Bis ich es endlich geschafft hatte, dass ich mit dem Auto von Budapest nach Wien mitfahren konnte.


Ich habe immer an meine Familie, die damals noch in Syrien war, gedacht. Der Beginn in Österreich war sehr schwierig für mich. Ich musste sehr lange warten bis ich meinen positiven Asylbescheid bekam. Länger als viele andere, die damals bereits nach einigen Wochen ihren Bescheid bekamen. Das wenige Geld, das ich zu Beginn hatte, habe ich meiner Familie geschickt, damit sie in Syrien überleben konnten.


Nachdem ich wusste, dass ich in Österreich bleiben darf, holte ich sofort meine Familie von Syrien nach Österreich. Mit Hilfe von Menschen aus Gallneukirchen und vor allem Anneliese und Kurt aus Alberndorf haben wir eine Wohnung gefunden. Die beiden unterstützen uns auch jetzt noch, wenn wir Hilfe brauchen. Ich arbeite mittlerweile in einer Fleischmanufaktur und meine Frau im Kindergarten in Alberndorf. Die Arbeit in Österreich ist anders geregelt als in Syrien. Es ist alles sehr genau strukturiert, die Arbeitszeit, die Pausen. Aber ich arbeite, das ist wichtig für mich. Wir sind zufrieden mit unserem Leben. Ich habe meine Familie bei mir und wir leben in Sicherheit. Das war das Wichtigste für mich.


Wenn ich an Syrien denke, dann denke ich an meine Mutter und meine Familie. Da meine Mutter nicht zu uns kommen kann, würde ich sie gerne besuchen, aber das ist nicht möglich. Das Leben in Syrien ist sehr schwierig– kein Wasser, kein Strom, kein Gas. Das Leben ist sehr teuer geworden. Wie sich die Situation weiterentwickelt, das weiß ich nicht. Ich würde mir aber wünschen, dass es wieder normal wird, so wie früher. Das wäre schön.

 

Oktober 2019
 

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