FaBI: Unterstützung und Entlastung im Alltag

Seit 2013 bietet das Diakoniewerk Wien, in Kooperation mit der MA11 (Jugendamt), Familien Unterstützung und Entlastung im Alltag an. „FaBI“ begleitet Familien mit Kindern mit Behinderung oder chronischen Krankheiten dabei, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten und einer Fremdunterbringung vorzubeugen.

Ausflug Kindergarten Martinstift

Familien mit Kindern mit Behinderung sind oft einer starken Mehrbelastung ausgesetzt. Das ist nicht nur auf die Behinderung und den Pflegeaufwand zurückzuführen, sondern auch auf gesellschaftliche Stigmata, mangelnde Barrierefreiheit und Teilhabemöglichkeiten. In diesen Fällen kommt FaBI - die Familienbegleitung für Kinder und Jugendliche mit Behinderung durch Inklusion ins Spiel, einerseits um die fehlenden Angebote auszugleichen, andererseits auch um Barrieren abzubauen.

 

Doch wie kommt man zu FaBI? Entweder die Eltern gehen selbst zum Jugendamt und melden Bedarf an Unterstützung an oder es gibt eine/n SozialarbeiterIn, die FaBI als Teil eines Hilfeplans vorgibt. Ziel ist es, soweit mit dem familiären Umfeld und den Kindern zu arbeiten, dass die Kinder zu Hause gut aufgehoben sind und der Alltag für die Familie wieder gut bewältig bar wird. Die Arbeit von FaBI ist sehr unterschiedlich. Familien, die Bedarf anmelden, suchen hauptsächlich Entlastung, Beratung zu pädagogischen und pflegerischen Themen gibt es nach Wunsch der Eltern oder im Anlassfall. Dort, wo FaBI Teil des Hilfeplans ist, ist die Entlastung auch Thema, doch geht es hier viel mehr darum, gemeinsam mit den Eltern Strategien zu entwickeln wie der Alltag gut gelingen kann. „Für viele Eltern sind ihre Kinder die ersten Menschen mit Behinderung mit denen sie näheren Kontakt haben, das kann zu Ungewissheit, Ängsten und Belastung führen. Viele Eltern haben noch keine Vorstellung wie die Zukunft ihres Kindes aussehen kann. Wir sind dann erfolgreich wenn die Belastungen aus subjektiver Sicht für die jeweiligen Familien bewältigbarer werden“, unterstreicht Karin Suppan, die den mobilen Dienst leitet.

 

Der FaBI-Alltag

FaBI kommt dann, wenn Kindergarten, Schule und Hort zu Ende gehen, frühestens ab 13.30 Uhr, in der Regel für 3-4 Stunden. Je nach den Bedürfnissen des Kindes gestaltet sich die Betreuung sehr unterschiedlich. Das Kind wird entweder von Schule oder Kindergarten abgeholt oder vom Fahrtendienst nach Hause gebracht und von der FaBI begrüßt. Im Sommer stehen oft Ausflüge am Plan oder man verbringt die Zeit zuhause mit Hausübung, Feinmotorik-Förderung durch spezielle Spiele, spielerisches Arbeiten mit Mitteln der Unterstützten Kommunikation. Stehen Arztbesuche an, so können diese auch begleitet werden. Durch diese Rahmenbedingungen ist es für die MitarbeiterInnen nur möglich eine Familie pro Tag zu betreuen. Dienstende ist spätestens 20 Uhr.

 

Das richtige Nähe-Distanz-Verhältnis wahren

Als FaBI-BegleiterIn ist man den Familien so nahe wie sonst keine familienfremde Person. „Wir sitzen sprichwörtlich in den Wohnzimmern“, betont Karin Suppan und will damit ausdrücken, wieviel man vom alltäglichen Leben mit all seinen Facetten mitbekommt. Oft werden die FamilienbegleiterInnen ins Familiensystem ‚aufgenommen‘  und lernen schnell andere Familienangehörige, Freunde kennen. Das kann sehr positiv sein und sich gut auf die Arbeit auswirken, es birgt aber auch Gefahren, dass das Verhältnis ‚zu nah‘ oder missverstanden wird, in sich.

 

Mit 18 Jahren endet die FaBI-Leistung

Die FaBI endet mit dem 18. Geburtstag des Kindes. Das hat einen ganz einfachen Grund: das Jugendamt verliert seine Zuständigkeit.  Damit stehen Eltern dann oft wieder vor denselben (Betreuungs-)Fragen wie vor der Begleitung. Hier wäre eine weitere Betreuung durch das FaBI-Team, welches die Familien bereits kennt, wünschenswert, betont Karin Suppan. Heute werden 15 Familien in Wien durch FaBI begleitet, Tendenz steigend.

 

„Die Arbeit als FaBI erfordert höchste Flexibilität in allen Bereichen und zeigt uns immer wieder unsere Grenzen auf. Die schönste Belohnung für mich ist es, das Vertrauen eines Kindes oder Jugendlichen zu gewinnen und Fortschritte in der Entwicklung zu sehen.“

Brigitte Liedek

 

„Die Arbeit mit den Familien im Rahmen von FaBI ist sehr facettenreich. Zum einen ist es immer wieder spannend in den Alltag der Familie einzutauchen, Erlebnisse mit ihnen zu teilen und zu sehen wie viel Hilfe und Unterstützung den Familien durch dieses Angebot zuteilwird.  Zum anderen ist diese doch sehr engmaschige und intensive Begleitung herausfordernd und gibt immer wieder Anstoß, sich selbst und seine eigenen Grenzen zu reflektieren. Ich persönlich empfinde die Arbeit als Familienbegleiterin als sehr erfüllend, da ich Familien in schwierigen Lebenslagen  ganz individuell helfen und sie ein Stück weit der Weges begleiten kann.“

Deborah Simpson

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