Delberin K.

23 Jahre, Kurde aus Syrien

Menschen zwischen den Welten

Ich bin in Syrien als Kurde geboren und nun 23 Jahre alt. Als Kind habe ich nur kurdisch gesprochen. Anschließend bin ich 7 Jahre lang in die Schule gegangen, wo ich nur arabisch sprechen durfte. Dies war auch schwierig für mich. Ab meinem 13.Lebensjahr habe ich in einer Tischlerei gearbeitet, wo ich Möbel zusammengebaut habe. In Syrien durfte ich in diesem jungen Alter schon arbeiten. Ich war sehr gut darin und es hat mir Spaß gemacht.


Als ich den Einberufungsbefehl zur Armee bekommen habe, bin ich geflohen. Ich wollte keine Menschen töten. Da bin ich weggegangen. Ich kannte zwar Österreich nicht, aber ich habe hier zwei Cousins, die mir vorab von Österreich erzählt haben, welch ein schönes Land es sei. Also habe ich mich dafür entschieden, dass ich nach Österreich flüchte. Meine Eltern und zwei meiner Brüder sind nach Deutschland geflohen und zwei andere Brüder leben jetzt in der Türkei.


Ich kann mich noch gut an meinen Start in Gallneukirchen erinnern. So viele Menschen haben uns unterstützt, haben uns willkommen geheißen. Das Deutschlernen war für mich wesentlich schwieriger als für die Personen, die auch schon Englisch-Kenntnisse vorweisen konnten. Ich habe täglich viel gelernt, oftmals mit meinem Mitbewohner, Reber. Es gab einige Personen aus Gallneukirchen, die mit uns Deutsch gelernt haben und in deren Kurs wir gegangen sind.


Nachdem ich meinem positiv Bescheid erhalten habe, wollte ich unbedingt schnell arbeiten. Mein eigenes Geld verdienen, kein Geld vom Staat oder anderen nehmen. Ich habe eine Tischler-Lehre beim BFI über das AMS begonnen im Bezirk Freistadt. Doch da bekam ich sehr wenig Lohn und auch keine zusätzliche finanzielle Unterstützung, die jedoch notwendig gewesen wäre, damit ich meine Wohnung und mein alltäglichen Ausgaben für Essen usw. hätte bezahlen können. Deshalb habe ich die Lehre abgebrochen und bin nach Tirol gezogen, wo ich auf dem Bau gearbeitet habe. Später bin ich dann durch einen Freund nach Zell am See gekommen, wo ich in einem Hotel gearbeitet habe. Zu Beginn war ich als Abwäscher angestellt und als sie merkten, dass ich handwerklich geschickt bin, arbeitete ich als Hausmeister.


Nach etwa einem Jahr begann ich im Restaurant meiner Cousins mit der Arbeit als Koch, da diese unbedingt Hilfe brauchten. Weil es dort sehr viele arabische Gäste gibt, wird viel arabisch oder kurdisch gesprochen. Ich habe nur wenige Bekannte, mit denen ich deutsch spreche. Mit den österreichischen Stammgästen verstehe ich mich gut und alle sind sehr freundlich zu mir. Bisher hatte ich nur positive Erlebnisse in Österreich.


An Syrien denke ich selten zurück bzw. schaue ich selten im Internet Bilder oder Nachrichten. Als Kurde hat man in Syrien keine Rechte und das Leben dort ist mittlerweile sehr schwierig geworden. Das weiß ich von meinem Onkel und meinem Großvater, die beide dort leben und mit denen ich manchmal Kontakt habe, wenn das Internet zufällig wieder mal kurz funktioniert.


Sprachkurse und den Lehrabschluss als Tischler möchte ich noch machen. Dies wird schwierig, da ich dazu von Zell am See und meinen Cousins weg muss, da es dort nicht so viele Möglichkeiten gibt wie in Linz oder Salzburg. Zwar derzeit zufrieden, möchte ich dennoch später wieder als Tischler arbeiten.
 

Oktober 2019

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