Batih K.

25 Jahre, Kurde aus Syrien

Menschen zwischen den Welten

Als Kurde habe ich in Syrien gelebt und bin nun 25 Jahre alt. Ich bin 6 Jahre lang in Syrien in die Schule gegangen und habe ab dem 13. Lebensjahr gearbeitet. Ich hatte meine eigene Firma, habe die Auslagen von Geschäften gestaltet und somit als Dekorateur in Syrien gearbeitet.


Nach Österreich bin ich wegen dem Krieg in Syrien gekommen. Von der Polizei gesucht, hätte ich für die Armee von Assad kämpfen sollen, was ich aber nicht wollte. Ich wollte keine Menschen töten und deshalb bin ich geflohen. Meine Eltern und ein Bruder leben derzeit in der Türkei, wo es mittlerweile für Syrer auch nicht mehr sicher ist und man nicht weiß, ob man zurück geschickt wird. 


Bewusst habe ich mich für Österreich entschieden, denn einer meiner Brüder lebt seit 2011 hier und von ihm wusste ich, dass es ein schönes und vor allem sicheres Land ist. Mein erster Eindruck, als ich nach Österreich kam, war ein sehr guter. Ich habe noch die freundlichen Worte eines Polizisten in Erinnerung, der damals zu mir sagte: „Herzlich Willkommen in Österreich.“


Ebenso erinnere ich mich an Gallneukirchen und die Leute dort gerne zurück. Viele Menschen haben mir geholfen und mich beim Deutsch lernen unterstützt. Vor allem die Familie Kastner hat mir auch besonders geholfen.


Nachdem ich meinen positiven Asylbescheid erhalten hatte, habe ich mit einer Friseurlehre in Gallneukirchen bei der Firma Kastner begonnen, jedoch war die Berufsschule für mich sehr schwierig, da meine Deutschkenntnisse auf A2 Niveau waren. Als mein Bruder mich dann eines Tages gefragt hat, ob ich ihm in seinem Restaurant helfen könnte, habe ich mich entschieden, die Lehre zu beenden und meinen Bruder zu unterstützen. 


Ich habe mittlerweile den Gewerbeschein gemacht und habe mein eigenes Geschäft, wo ich arabische Lebensmittel verkaufe. Das Geschäft habe ich nur im Sommer geöffnet, da ich da sehr viele arabische Touristen als Kunden habe. Im Winter arbeite ich bei meinem Bruder im Restaurant, wo wir vor allem arabische Gäste haben, aber auch einige österreichische Stammkunden. 


Mir macht die Arbeit in Österreich viel Freude, die Arbeitszeiten sind geregelt und ich habe weniger Stress als in Syrien. In Syrien musste ich wesentlich mehr arbeiten jeden Tag, auch am Wochenende und ich hatte somit kaum Freizeit. Hier treffe ich Freunde, wobei diese beinahe alle arabisch oder kurdisch sprechen. Ich habe wenige Kontakte zu Österreichern. Die Österreicher nehme ich als sehr nette und freundliche Menschen wahr. Ich werde respektvoll behandelt. Auch wenn es einige Österreicher gibt, die uns nicht so gerne mögen, weil sie denken, dass viele nur wegen der Sozialhilfe nach Österreich gekommen sind. Ich kenne solche Menschen nicht. Jeder will arbeiten.


Wenn ich an meine Zukunft denke, so möchte ich später unbedingt eine Familie gründen, heiraten und ein eigenes Haus haben, so wie ich es in Syrien hatte. Ich möchte immer in Österreich bleiben, denn in Syrien wird es keine Zukunft mehr für mich geben. Es herrscht noch immer Krieg, viele Menschen sind gestorben und niemand weiß wie es sich weiterentwickelt. Vielleicht wird Syrien in 20 Jahren wieder so sein, wie es einmal war. Aber ich habe diesbezüglich keine Hoffnung.

 

Oktober 2019
 

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