25.01.2021

Wie geht´s den Kindern mit Corona?

Graz

Nachgefragt bei Martina Royer, Leitung des Kindergartens in Graz, einem von neun Standorten des Diakoniewerks im In- und Ausland.

Der Kindergarten ist die erste Bildungseinrichtung in unserem Bildungssystem. Gerade in den ersten Lebensjahren trägt die Elementarbildung enorm zur Lern- und Persönlichkeitsentwicklung der Kinder bei.

 

Wie geht es den Familien in dieser Situation?

 

Die Eltern sind für unser flexibles Angebot dankbar. Wir bieten Entlastung an den Tagen, wo dies notwendig ist, zum Beispiel wenn sie Dienst haben oder dringende Arbeiten im (Home)-Office anstehen. Die Eltern haben somit Ressourcen, ihre Arbeit zu erledigen, um danach wieder entspannt Zeit mit den Kindern zu verbringen. Uns ist wichtig, dass Familien und Kindergarten einander unterstützen und Vertrauen und Wertschätzung schenken. Der Druck auf die Familien ist massiv gestiegen. Vieles erleben Eltern derzeit als mühsam, zum Beispiel das Warten auf neue Erlässe, wie auf die neuen Ferienregelungen in der Steiermark.

 

Trotz Pandemie und Lockdown: Welche schönen Erlebnisse gibt es?

 

Wir feiern trotzdem Feste, leider ohne Eltern. Wir hatten ein stimmungsvolles Lichterfest und Weihnachtsfest und haben Geschenke für die Bewohnerinnen und Bewohner vom Haus am Ruckerlberg gebastelt. Wir werden auch Fasching feiern. Wichtig ist, den Kindern zu vermitteln, dass das Leben auch positive Seiten zeigt. Es gibt beides: Das Virus, dem wir mit Achtsamkeit begegnen, und die schönen Seiten des Alltags.

 

Gibt es Kinder, die unter dieser Situation leiden?

 

Am schwierigsten ist diese Zeit für unsere Schulschmetterlinge, die Kinder im letzten Kindergartenjahr. Weil man viele Dinge derzeit nicht darf, wie beispielsweise Aktivitäten aus dem lebenspraktischen Bereich, wie gemeinsam kochen. Aber auch die klassischen Schulvorbereitungen kommen derzeit viel zu kurz.

 

Wie gehen die Kinder generell mit dem Thema Corona um?

 

Kinder nehmen die vielen Ängste draußen wahr, viele erleben die Erwachsenen mit Masken als befremdlich. Wir bemerken, dass manche Kinder uns tagsüber genau auf das Gesicht schauen, uns beim Reden wahrnehmen und die Mimik beobachten – als scheinen sie sich zu freuen, ein unbedecktes Gesicht zu sehen. Andere sind bei diesem Thema auch schon recht entspannt.

Wir haben das Thema von Anfang bearbeitet. Manche wussten gar nichts über Virus und Erkrankung, andere wissen sehr viel und reagieren hochsensibel. Sie glauben, das Virus tötet die Menschen sofort. Wir sorgen im Kindergarten für die richtige Balance von Information und setzen stark auf Achtsamkeit.

 

Was bedeutet Achtsamkeit konkret?

 

Die Kinder sind in dieser schwierigen Situation erstaunlich flexibel. Unsere Haltung ist: Wir müssen nicht in Angst leben, sondern in Achtsamkeit. Wir setzen uns mit Hygiene auseinander, haben Händewaschen geübt mit Mitzählen und haben dabei Montessori-Elemente eingebaut. Wir vermitteln den Kindern, was unser Immunsystem stärkt: Obst und Gemüse, Bewegung an der frischen Luft und sozialer Zusammenhalt. Wir sind täglich mindestens zwei Stunden im Garten, bei jedem Wind und Wetter. Kaum ein Kind war bisher krank oder verschnupft.

Und: Wir haben den Kindergarten zur jammerfreien Zone erklärt. Wir haben vereinbart, dass die Kinder uns jederzeit mitteilen dürfen, wie es ihnen geht. Ein Dahin-Jammern lassen wir jedoch nicht aufkommen.

 

Danke für das Gespräch! 

 

 

AnsprechpartnerIn

Martina Royer
Martina Royer
Leitung Kindergarten
Steiermark
Bildung
Kindergarten
Grabenstraße 59
8010 Graz
Österreich