03.04.2020

Aus Corona nachhaltig lernen?

Gallneukirchen

Am 31.3.2020 erschien ein Gastkommentar von Vorstandsvorsitzendem Mag. Josef Scharinger in der OÖN-Kolumne: "Die Sicht der Anderen". J. Scharinger thematisiert, was viele Menschen in diesen Tagen zum Nachdenken anregt: Können wir aus Corona nachhaltig lernen?

 

Wir lernen gerade, trotz der noch immer bestehenden Virusbedrohung mit dem Krisenmodus umzugehen. Eine entschlossene österreichische Regierung, vernünftig agierende Politiker*innen, die auf den Rat verantwortlicher Expert*innen hören und umsetzen, haben uns alle als Individuen, als Familien, in den Organisationen und den Betrieben, im Hilfesystem usw. zusammenwachsen lassen. Bis auf wenige Ausnahmen verhalten wir uns vernünftig, lernen mit den Beschränkungen zu leben und schützen die Schwächsten in unserer Gesellschaft!

Dafür ist ganz vielen zu danken, es gibt Hoffnung, es wird im Gesundheits- und Sozialsystem engagiert und mutig gearbeitet, an den Kassen im Lebensmittelhandel unverdrossen kassiert, es wird musiziert, freiwillig Essen geliefert, gebetet und, und, und. Politik scheint nach dem Zukunftsforscher Matthias Horx eine neue Glaubwürdigkeit, eine neue Legitimität zu bekommen. Auch die seriöse Kommunikation erlebt einen Höhepunkt, das gilt für den ORF, die OÖN und andere Medien.

Durch die globale Betroffenheit in der Situation sehen wir nicht nur die Verletzlichkeit unseres Systems, es stellen sich Fragen des besseren Umgangs, des Austausches und der wechselseitigen Hilfe. Ärzte aus Kuba helfen Italien in dieser tiefen Krise – das sind Szenarien, die vor der Krise kaum einem Menschen in den Sinn gekommen wären.

 

Aber was wird nachhaltig davon bleiben? Jetzt heißt es einmal, mit aller Kraft die Corona-Krise gut zu bewältigen. Eine mögliche Wirtschaftskrise zeichnet sich allerdings schon ab. Es wird jedoch die ungeheure Chance geben, aus dem Niedergang einen Aufschwung mit deutlich mehr Verantwortung anzugehen, einen Aufschwung, der ökonomisch, ökologisch und sozial ausgewogener sein wird, das Klima berücksichtigend, in dem die Sozial- und Gesundheitsversorgung aufgewertet wird und die Volkswirtschaften auf Ähnlichkeiten hin untersucht und verglichen werden. Damit kann ein intensiverer europäischer Weg eingeschlagen werden, die globale Zusammenarbeit wäre dadurch positiv stimuliert, dem ungezügelten Finanzkapitalismus könnten Zügel angelegt werden.

 

Zu schön um wahr zu sein? Die Empathie und Kraft zur Bewältigung einer Krise machen jetzt einmal stark. Wir werden den Modus des Trainings für einen Marathon benötigen und die vor uns liegenden Herausforderungen mit viel Vernunft angehen müssen. Es kann jetzt schon begonnen werden, in dem man z.B. in Griechenland endlich humanitäre Hilfe leistet und bereit ist zur begrenzten Aufnahme der allerschwächsten Mitglieder einer Gesellschaft, der „vergessenen Kinder“ wie ich sie einmal bezeichnen möchte. Der Marathon beginnt und ich wünsche uns allen viel Kraft!

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Kommentar OÖN 31.3.2020
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