08.04.2020

8. April - Tag der Roma und Stillstand in Rumänien

Kinder und Jugendliche aus Roma-Familien werden vom Diakoniewerk so gut es geht zuhause begleitet. Die Herausforderung ist jedoch groß.

Im Juli 2015 startete das Diakoniewerk zwei Tagesbetreuungen für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche in Rumänien, um mit Bildung einen kleinen ersten Schritt aus der Armut zu setzen. Schöne erste Entwicklungsschritte stellten sich ein. Heute ist die Stimmung gedämpft, Schulen und Nachmittagsbetreuungen sind Corona-bedingt geschlossen, die Kinder sind wieder zuhause und der Anschluss ist schwierig.

 

Eva Gyerko leitet die Tagesbetreuung in Dumbrǎveni/Elisabethstadt in Rumänien. Sie ist derzeit zuhause, bei ihren Kindern. Alle Bildungseinrichtungen haben geschlossen, so auch die Tagesbetreuung des Diakoniewerks in der armenisch-stämmigen Kleinstadt.

 

Im Gespräch erzählt Eva Gyerko von einem Gefühl der Hilflosigkeit. Eva Gyerko und ihr Team begleiten mehr als 25 Kinder jährlich in der Tagesbetreuung. Sie alle kommen aus den Armensiedlungen der Roma am Rande der Stadt. Im Vordergrund steht die schulische wie soziale Entwicklung der jungen Menschen, ihnen eine gute Tagesstruktur und ein Gefühl des Willkommenseins zu geben.

Seit drei Wochen gibt es keinen regulären Schulbetrieb mehr, jeglicher persönlicher Kontakt zu den Kindern ist untersagt. Anders als in Österreich sind die Kinder zuhause nicht mit Handy und Laptop ausgestattet. Eva G. muss froh sein, die Eltern mobil zu erreichen, die wiederum oft wenig Verständnis zeigen, für ihren Wunsch mit den Kindern Kontakt zu halten.  

Woran das liegt? „Die Familien unterschätzen die Corona-Pandemie. Sie sehen sich in ihren Siedlungen als abgeschottet und geschützt. Und bekommen zum Teil auch wenig mit. Sie leben ihr Leben, an der Armutsgrenze oder bereits in Armut. Die eigene Landwirtschaft sorgt für das Tägliche.“  Sie wohnen auf engstem Raum, sind es gewohnt in engem Kontakt zu sein, Kinder spielen in den Siedlungen miteinander. Abstand halten, scheint hier nicht realistisch zu sein, das bereitet Eva Gyerko große Sorgen.

 

Ab und dann gelingt es ihr, die Kinder mit Lernpaketen zu versorgen, sofern Eltern bereit sind Material von der Tagesbetreuung abzuholen. Den Kindern trotz Corona eine Tagesstruktur geben zu können, wäre ihr und ihrem Team wichtig, doch dies passt aktuell mit dem Alltag in den Siedlungen wenig zusammen. Hier stellt sich oft Ratlosigkeit bei den Pädagoginnen ein.

 

Ihr großer Wunsch ist deshalb, das bereits geplante Ferienlager abhalten zu können. Hier geht es darum den jungen Menschen Selbständigkeit und eine geregelten Tagesablauf zu vermitteln. Aufstehen, Frühstücken, Sport, Mittagessen, Entdeckung und Spiel und ein Tagesabschluss mit gemeinsamem Abendessen sind Dinge, die wir als alltäglich erleben. Eva G. betont, dass sich für Roma-Kinder der Tagesablauf an allen Familienmitglieder orientiert. Spätes zu Bett gehen aufgrund des gemeinsamen Wohnens auf engsten Raum, ist nur ein Beispiel.

 

Gemeinsam mit der Tagesbetreuung in Sebeş will man dieses Ferienlager in der Nähe von Dumbrǎveni machen. „Gerade dann wird es den jungen Menschen gut tun, sich wieder zu treffen, sich neu zu spüren und vorallem wieder einen Rhythmus ins Leben zu bekommen“, ist Eva Gyerko überzeugt und hofft. Die Frage ist nur: wann ist „dann“?