Abudi T.

18 Jahre, aus Afghanistan

Abudi

Ich bin als staatenloser Palästinenser in Syrien geboren, wo ich nach 12 Jahren die Schule mit Matura abgeschlossen habe. In einem Dorf ganz in der Nähe von Damaskus lebte ich mit meinen Eltern und meinen 6 Geschwistern in einem schönen Haus. Mein Vater hat mehr als 20 Jahre für die UNO gearbeitet und gut verdient. Obwohl es finanziell nicht notwendig gewesen wäre, wollte ich neben der Schule mein eigenes Geld verdienen und habe zuerst als Autowäscher und dann in einem Restaurant gearbeitet. 


Unser Haus wurde von einem Artilleriegeschoß zerstört, meine Eltern dabei getötet. Ich hatte Glück, 5 Minuten vor dem Einschlag habe ich das Haus verlassen, sonst wäre ich jetzt tot. Im Krieg hat man keine Rechte. Viele Menschen wurden geschlagen und getötet. Mein ältester Bruder hat gesagt, ich solle fliehen, bevor sie mich zur Armee holen. Zwei Brüder und ein Schwester sind auch weggegangen. Ein Bruder ist jetzt in Deutschland, der andere Bruder und meine Schwester sind mit mir in Österreich.
Eigentlich wollte ich nach Schweden fliehen, weil zwei Onkel dort seit vielen Jahren leben. Auf der Flucht wurden wir von den Schleppern an der ungarisch-österreichischen Grenze ausgesetzt, wo uns die österreichische Polizei gefunden hat. Um nicht nach Ungarn und dann weiter nach Serbien abgeschoben zu werden, habe ich um Asyl in Österreich angesucht, worüber ich jetzt sehr froh bin. Ich wollte nur weg aus Syrien. 


Die ersten zwei Monate in Österreich hatte ich Angst, dass ich nicht bleiben dürfte. Nach 2 Monaten bekam ich jedoch meinen positiven Asylbescheid und habe sofort angefangen Deutsch zu lernen, was mir sehr leicht gefallen ist. Ich habe zuerst eine Elektronik-Lehre angefangen, aber das hat nicht gepasst für mich. Meine ehrenamtliche Betreuerin hat mir dann geholfen, eine Lehrstelle als Tischler zu finden. Die Arbeit gefällt mir sehr und auch die Kollegen und der Meiser sind sehr nett und helfen mir viel. In Österreich nimmt man die Zeit viel genauer. Wenn man sagt, morgen ist es fertig, dann ist es auch fertig. In Syrien sagt man auch morgen, aber das sagt man jeden Tag.


Ich möchte gerne meinen Führerschein machen und mir ein Auto und eine Wohnung kaufen. Zur Miete zu wohnen, macht mich unsicher. Ich habe Angst, dass der Vermieter sagen könnte, ich müsse ausziehen. Und ich möchte weiter lernen. Ich arbeite gerne als Tischler aber möchte irgendwann auch noch etwas anders lernen.


Privat habe ich sehr wenige Kontakte, weil die meisten Asylsuchenden eine Familie haben im Gegensatz zu mir. Nach der Arbeit bin ich immer müde und gehe nicht weg. Ich finde es sehr schön in Gallneukirchen. Ich möchte nicht in einer großen Stadt wie Linz leben. 


In Österreich funktioniert alles. Es gibt Tag und Nacht Strom, in Syrien hatten wir oft wochenlang keinen Strom und das war sehr schwierig. Wenn man in Österreich auf ein Amt geht, wird man ordentlich behandelt, darauf kann man sich verlassen. In Syrien musste man den Beamten Geld geben, damit man dran kam und nicht 10 Stunden umsonst vor dem Büro wartete. Die vielen korrupten Beamten haben Syrien kaputt gemacht. 


Wenn ich an Syrien denke, geht es mit nicht gut. Ich habe immer noch das Bild vom zerstörten Haus , dem vielen Blut und meiner toten Mutter vor Augen. Die Regierung und der Krieg sind sehr schlimm. Ich habe keine Ahnung wie es dort weitergehen soll. Russland und der Iran unterstützen Assad, die USA ist gegen Assad. Aber alle verkaufen Waffen, mit denen in Syrien gekämpft wird und machen damit ein gutes Geschäft. Und dann ist noch die Türkei beteiligt. Aber jeder hat andere Interessen, darum glaube ich, dass nur noch schlimmer werden wird.
 

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