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Geschichte des Diakoniewerks

In seiner mehr als 140-jährigen Geschichte hat sich das Diakoniewerk in der Tradition der Nächstenliebe Jesu stets für Menschen in sozialen Notlagen engagiert. Dafür entwickelte es jeweils entsprechende Hilfsangebote und das auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Die Veränderung des Namens, vom „Verein für Innere Mission“, über „Evangelische Diakonissenanstalt“, hin zum „Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen“ bildet die Entwicklung ab, wobei der Auftrag aber geblieben ist.

Die Geschichte des Diakoniewerks ist eng verbunden mit der Entstehung der evangelischen Gemeinde in Gallneukirchen im Jahr 1873. Für diese hat das Wirken des katholischen Pfarrers Martin Boos, der aus der katholischen Allgäuer Erweckungsbewegung kam, zu Beginn des 19. Jh. in Gallneukirchen die Voraussetzungen geschaffen. Dieser vertrat sehr evangelische Positionen, was in seiner Kirche äußerst kritisch gesehen wurde, dann auch zu seiner Absetzung, in der Folge zur Inhaftierung und der Landesverweisung führte. Aus der Gruppe der „Boosianer“ ging nach der Gründung einer evangelischen Schule und der Filialgemeinde Weikersdorf-Gallneukirchen 1871 eine selbstständige Gemeinde 1873 hervor.

Ludwig Schwarz gründet den „Verein für Innere Mission“

Die neue Filialgemeinde von Linz- Weikersdorf-Gallneukirchen fand in Ludwig Schwarz, der bis dorthin Pfarrer in Görz (heute Gorizia/Italien) war, einen Vikar. Wie Boos war auch er der Erweckungsbewegung zugetan, die sich durch eine Betonung der Zusammengehörigkeit von geistlichem Glaubensleben und sozialem Handeln in der Alltagspraxis auszeichnete. Als die Filialgemeinde 1873 selbstständig wurde, wählte ihn die Gemeinde zu ihrem ersten Pfarrer. 1874 initiierte Ludwig Schwarz zusammen mit weiteren evangelischen Persönlichkeiten am 2. Juli 1874 den „Verein für Innere Mission“, der es sich zur Aufgabe machte, Menschen in sozialen Notlagen zu helfen. Im ersten Jahresbericht ist über das Selbstverständnis der Arbeit der Inneren Mission zu lesen: „Überall hin, wo sie die Noth findet, sucht sie mit ihrer Hilfe zu gelangen.“ Bescheiden waren die Anfänge: Cécile Schwarz, die Ehefrau des Gründers betreute im Pfarrhaus kranke und pflegebedürftige Menschen im Alter. Die sozialen Nöte verlangten nach mehr personellen Ressourcen. Pfarrer Schwarz begann daher, nach dem in Deutschland und anderen europäischen Ländern bewährten Lebens- und Berufsmodell der Diakonisse nach Theodor Fliedner, junge evangelische Frauen für die Ausbildung zur Diakonisse und das Leben einer Diakonisse zu gewinnen. Elise Lehner und Elisabeth Obermeir, zwei Bauerstöchter aus dem oberösterreichischen Thening, waren die ersten, die in Stuttgart ausgebildet und 1877 zur Diakonisse eingesegnet wurden. Sie haben für das Leben in einer geistlichen Gemeinschaft bewusst auf Ehe und Familie verzichtet. Der Grundstein für eine rasch wachsende Schwesternschaft war damit gelegt.

Der Glaube, der durch die Liebe tätig ist

Bald erstreckte sich der Wirkungsbereich des Vereins und der Diakonissen über das Mühlviertel und Oberösterreich hinaus. Elise Lehner wurde 1888 zur ersten Oberin der nun schon 18 Diakonissen umfassenden Schwesternschaft gewählt. 1909 zogen in das neu gebaute Diakonissen-Mutterhaus Bethanien in Gallneukirchen bereits 95 Schwestern ein. Ihre Arbeit verstanden sie im Sinne des biblischen Verses aus dem Galaterbrief, der über dem Eingang des Mutterhauses zu lesen ist:

„In Christo Jesu gilt der Glaube, der durch die Liebe tätig ist“.

Die Arbeit des Vereins weitete sich ständig aus, auch in den Kriegs- und Zwischenkriegsjahren. Daher waren die Einsatzbereiche der Diakonissen sehr vielfältig – von der Kranken- und Altenpflege, über die Betreuung von Menschen mit Behinderung, von Kindern in Heimen, Internaten und Kindergärten und von erholungssuchenden Menschen, bis hin zur Arbeit als Gemeindeschwester reichten die Aufgaben. Geographisch wurde fast das gesamte Gebiet der damaligen Donaumonarchie abgedeckt.

Die Nationalsozialistische Schreckensherrschaft ging auch an den Menschen im Diakoniewerk nicht spurlos vorbei. Im Jänner 1941 wurden 64 Menschen mit Behinderung im Schloss Hartheim bei Alkoven ermordet. Ein Mahnmal im Garten des Haus Bethanien erinnert heute daran. Nach dem Zweiten Weltkrieg erreichte die Zahl der Diakonissen ihren historischen Höchststand, durch die Aufnahme von aus osteuropäischen Mutterhäusern geflüchteten Diakonissen. 1957 wurde der Verein in „Diakonissenanstalt“ umbenannt.

Mit dem Jahr 1963 und der letzten Einsegnung von Diakonissen begann das sukzessive Kleiner-Werden der Diakonissenschwesternschaft und der Anzahl der diakonischen Schwestern, die es seit 1939 als eine andere weitere Form von Schwesternschaft gab. Heute leben im Haus Abendfrieden noch elf Diakonissen und fünf diakonische Schwestern, das ehemalige Mutterhaus erhält mit der OÖ. Landessonderausstellung 2015 und der Nachnutzung durch Einrichtungen der Behinderten- und Seniorenarbeit sowie der Bildung eine neue Bestimmung.

Trotz abnehmender Schwesternzahlen konnten die Einrichtungen und Arbeitsfelder des 1971 in „Evangelisches Diakoniewerk Gallneukirchen“ umbenannten Sozialunternehmens mit immer mehr weltlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter ausgebaut werden. Das Engagement der Diakonissen hat wesentlich dazu beigetragen, dass sich das Diakoniewerk zu einem anerkannten Unternehmen im Sozial-, Gesundheits- und Bildungsbereich entwickeln konnte.

 

Die Geschichte des Diakoniewerks – Diakoniegeschichte als „Sozialgeschichte in der Erweiterung“

Sendung des Freien Radio Freistadt vom 15. Mai 2015.

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