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Aktuell

 
08.03.2010

Ein Konjunkturpaket für die Pflege ist auch ein Konjunkturpaket für Frauen

Schon seit fast 100 Jahren wird der internationale Frauentag begangen. „Trotz vieler Erfolge und obwohl die gesetzliche Gleichberechtigung von Frauen und Männern verankert ist, gibt es noch immer viel zu tun auf dem Weg zu einer gelebten Gleichstellung“, sagt Mag. Christa Schrauf, Rektorin des Diakoniewerkes. Angesichts der Wirtschaftskrise ist die ohnehin bestehende Einkommensschere zwischen Frauen und Männern noch weiter auseinander gegangen. Das bestätigte auch der kürzlich veröffentliche Frauenbericht mit Zahlen aus dem EU-Genderbericht 2008 und zeigt beispielsweise, dass Frauen bereits beim Berufseinstieg einen um 18% niedrigeren Stundenlohn haben als männliche Kollegen.

Anlässlich des heurigen Weltfrauentages in der Wirtschaftskrise plädiert Schrauf für ein Pflegekonjunkturpaket: „Die bisherigen Konjunkturpakete gingen zu Lasten der Frauen, so die Rektorin, „weil überwiegend in Branchen investiert wurde, die von Männern dominiert sind – wie beispielsweise die Ankurbelung der Bauwirtschaft. Auch Steuererleichterungen bringen Frauen nichts, da sie immer noch über ein niedrigeres Einkommen verfügen als Männer.“
 
„Ein Konjunkturpaket für die Pflege bringt Vorteile für Frauen“, so Schrauf. Werden mehr Jobs im Pflege- und Betreuungsbereich geschaffen, so würden gerade Frauen davon profitieren, die derzeit den größten Anteil der Beschäftigungsplätze in diesem Sektor stellen. „Investitionen in den Pflegebereich sind Investitionen in unsere Zukunft – der Pflegebereich ist ein zukünftiger Jobmotor“, bekräftigt Schrauf, weist auf die demografische Entwicklung der nächsten Jahrzehnte hin und ergänzt: „Sozialwirtschaft ist mehr als Wirtschaft, sie ist eine Zukunftsbranche, weil ihre Leistungen unmittelbar der Gesellschaft dienen und zunehmend nachgefragt sind.“

Ein Konjunkturpaket für die Pflege würde auch Frauen entlasten, die in der familiären Pflege ihre Angehörigen betreuen. „Der überwiegende Teil der Betreuungsarbeit älterer Menschen wird zu Hause geleistet, und auch hier tragen die Frauen die Hauptlast – sie erbringen rund 80% dieser Arbeit“, weiß Schrauf. Für die Frauen sei die häusliche Pflege oft eine einseitige Belastung: „Frauen bleiben damit in ihren traditionellen Rollenmustern verhaftet und leisten Gratisarbeit, die ihnen keine soziale Absicherung bietet“, Schrauf weiter.

Frauenpower im Diakoniewerk
Im Evangelischen Diakoniewerk Gallneukirchen, das an über 100 Standorten in Österreich für Menschen Pflege und Betreuung leistet, sind 78% der über 2.900 Mitarbeitenden Frauen. Bei den Angeboten für Menschen im Alter und Menschen mit Behinderung sind über 1.350 Mitarbeiterinnen tätig und über 500 Frauen arbeiten in den Krankenhäusern. Zusammen leisten sie die beeindruckende Summe von über 2,2 Millionen Stunden Betreuung, Pflege und Therapie in einem Jahr.

"Frauen und Männer leisten im Diakoniewerk und im gesamten Sozial- und Gesundheitsbereich qualitätsvolle und professionelle Pflege- und Betreuungsarbeit, die für unsere Gesellschaft unverzichtbar ist! Um die Situation zu verbessern, muss dieser Bereich endlich jene Wertschätzung bekommen, die er verdient“, so Schrauf.

Mehr Frauen in Führungspositionen und mehr Männer in der konkreten Betreuungsarbeit wünscht sich Schrauf: „Im Diakoniewerk arbeiten in den Einrichtungen der Alten- und Behindertenhilfe über zwei Drittel Frauen, in manchen Bereichen sind fast nur Frauen tätig. Es braucht in den Sozialberufen auf allen Ebenen sowohl Frauen als auch Männer, die sich mit ihren unterschiedlichen Zugängen und Talenten einbringen, weil die Menschen, die betreut werden, Männer und Frauen sind, und weil das Leben männlich und weiblich ist.“ „Ich freue mich sehr, dass der Anteil der weiblichen Führungskräfte im Diakoniewerk bereits bei 65% liegt und hoffe, dass diese Entwicklungen auch Vorbildwirkung für andere Bereiche haben“, betont Schrauf. Dass es aber genauso wichtig ist, auch Männer in die Sozialbetreuungsberufe zu holen, ist Schrauf überzeugt: „Es werden viele Anstrengungen unternommen, um Frauen in die Technik zu holen, ebenso wichtig ist es, Männer für soziale Berufe zu begeistern.“

Rektorin Christa Schrauf
 
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